Ich achte bei längeren Zugfahrten inzwischen fast mehr auf die Steckdose als auf den Sitzplatz.
Zwei Stunden Verspätung sind unangenehm. Zwei Stunden Verspätung mit zwölf Prozent Akku fühlen sich deutlich länger an.
Ich habe mir irgendwann angewöhnt, vor längeren Bahnfahrten nicht nur die Verbindung zu speichern, sondern auch schon mal zu schauen, was eine Stunde später fährt.
Nicht besonders optimistisch, aber erstaunlich beruhigend.
Seitdem sitze ich bei zehn Minuten Verspätung wenigstens nicht mehr da und rechne alle zwei Minuten neu aus, ob ich Gleis 4 noch irgendwie erreichen kann.
Ich beschwere mich wirklich oft über die Bahn und trotzdem habe ich für Strecken von drei, vier Stunden meistens lieber einen Zug als ein Auto.
Im Zug kann ich lesen, schlafen oder eine Stunde völlig sinnlos aus dem Fenster schauen. Im Auto muss ich vier Stunden lang Auto fahren.
Das macht es fast noch ärgerlicher, wenn die Bahn nicht funktioniert: Ich will sie ja eigentlich mögen.
Bei einer größeren Störung hilft „Zug verspätet sich um 27 Minuten“ irgendwann nur noch begrenzt.
Interessanter wird dann: Welche Verbindung fährt stattdessen, wo muss umgestiegen werden und wann kommt man realistisch an?
Verspätungsinformation erklärt das Problem. Eine brauchbare Alternative löst wenigstens einen Teil davon.
Ein Gleiswechsel ist deutlich angenehmer, wenn das Handy ihn meldet, bevor man zufällig auf die Anzeigetafel schaut. Im DB Navigator können gespeicherte beziehungsweise gebuchte Reisen mit aktivierten Benachrichtigungen solche Änderungen per Push melden. Bei Bahnfahrten ist die nützlichste Nachricht manchmal einfach: „Nicht mehr Gleis 7.“
Ticket in der App.
Sitzplatz gefunden.
Komfort Check-in.
Laptop auf.
Kein Portemonnaie suchen, kein QR-Code während des Calls hochhalten.
Die beste Bahntechnik ist manchmal die, die danach einfach nicht mehr auffällt.
Bei der Bahn lese ich „Ankunft 8:42“ inzwischen eher als Absichtserklärung.
Besonders absurd finde ich Zugausfälle, bei denen der Ersatzzug am selben Bahnsteig steht, aber ungefähr halb so viele Wagen hat.
Die Verbindung existiert also technisch noch. Nur leider für deutlich weniger Menschen als vorher.
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